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Future of Work: Sam will's wissen

Wahnsinn, wir sind ja mit dem Thema Relax & Coworking gefühlt und real ganz vorne auf einer der Bugwellen der Future of Work. Und doch gibt es schon jemand, die das Thema in ihrer Master-Arbeit behandelt: Samantha Wolf von der Universität St. Gallen.

Wie haben Coworker ihre Reiselust mit Coworking kombiniert? Waren sie in der Handvoll Coworking Spaces, die sich gezielt oder unter anderem an Reisende richten? Was war ihnen wichtig? Diese uns andere Fragen bewegen uns, und es ist prima, dass Sam diesen Fragen in ihrer Umfrage nachgeht. Sam lernten wir auf der Coworking Europe Conference in Lissabon kennen, und ich traf sie erneut auf der Cowork in Stuttgart.

Ich finde es ganz grosse Klasse, dass Sam das Coworking & Reisen während ihrer Master-Arbeit auch richtig selber durchzieht statt nur darüber zu forschen. So kündigte sie ihre Wohnung, reist und arbeitet zum Beispiel im brandneuen Coconat in Brandenburg, im Büro Lokal im schweizerischen Wil oder bei unserem "Kollegen" Matias / bedndesk in S'Arenal auf Mallorca. Wir freuen uns sehr, dass sie einen Landausflug nach Santanyí mit in ihre Mallorca-Reise eingeplant hat.

coworkerin sam rayaworx mallorca

:: Herzlich Willkommen in Santanyí, liebe Sam! Wie bist Du eigentlich auf Dein Thema für Deine Master-Arbeit gestossen? Was genau ist unter “Coworkation” zu verstehen?

Sam: Für die Aufnahme in mein Masterprogramm Management, Organisation und Kultur schrieb ich damals ein Essay zum Thema „Wandel und Innovation der Arbeitswelt: Herausforderungen und Chancen“. Dabei stiess ich zum ersten Mal auf das Konzept des Coworking und die so genannten digitalen Nomaden. Ich verfolgte diese Themen dann immer etwas am Rande mit. Als plötzlich immer mehr Leute komplett ortsunabhängig arbeiteten und sich an Orten wie Bali in Coworking Spaces quasi ein neues Zuhause schafften, war für mich klar, dass ich da genauer hinschauen wollte.

Im weitesten Sinne kann jede Kombination von Arbeit und Freizeit an einem anderen, als dem gewohnten Arbeits- und Wohnort als Workation bezeichnet werden – ein Kunstwort aus work und vacation, Arbeiten und Ferien also. Es gibt die verschiedensten Gründe und Varianten Arbeiten mit Ferien zu verbinden: Von der Angestellten, die für ein Wochenende aufs Land fährt um frische Luft zu schnappen und an einem eigenen Projekt zu arbeiten, bis zum ortsunabhängigen digitalen Nomaden, der monatelang die Welt bereist und dabei seiner täglichen Laptop-basierten Arbeit nachgeht, wo es ihm gerade beliebt. Wird dabei das Angebot eines Coworking Spaces genutzt, so wird die Workation zur Coworkation – und da liegt mein Fokus.

:: Was fasziniert Dich am Reisen? Hast Du schon einen Lieblings-Ort auf Mallorca gefunden?

Sam: Dass es verbindet indem es trennt. Reisen trennt einem immer von seiner gewohnten Umgebung und oft von den Leuten, an die man sich gewöhnt hat. Dadurch verbindet es eine mit neuen Orten, mit anderen Menschen, mit fremden Kulturen und Gewohnheiten. Kitschig aber wahr: ”The world is a book, and those who do not travel read only one page” (Saint Augustine).

Mallorca ist auch ein Buch, indem ich wohl erst die Einleitung gelesen habe. Welches Kapitel mir das liebste ist, kann ich daher noch nicht sagen. Bisher beeindruckt mich vor allem die Vielseitigkeit dieser Insel mit ihren abwechslungsreichen Stränden, der Natur, den charmanten Städtchen und dem guten Essen.

:: Schön, dass Dir das gleich bei Deinem ersten Besuch aufgefallen ist! Wann ist für Dich Coworking so richtig cool?

Sam: Coworking lebt von den Leuten, die es tun. Von einem selbst und von den anderen um einem herum. Das muss nicht heissen, dass Coworking nur funktioniert, wenn Interaktion und Austausch stattfindet. Ein guter Tag im Coworking kann auch heissen, dass die Arbeitsatmosphäre genau so fokussiert und konzentriert war wie man sie an diesem Tag eben gebraucht hat.

Richtig cool ist Coworking für mich dann, wenn sich etwas einstellt, was man vielleicht „Coflow“ nennen könnte ;) – wenn Leute Ideen, Feedback, Wissen und Können ganz ungezwungen teilen, einfach weil sie denken dem anderen damit helfen zu können, und weil sie wissen, dass der andere dasselbe für sie tun würde – weil ihnen das Teilen Spass macht. Dabei kann schon mal eine Learning- oder Feedback-Session entstehen, die bis spät in die Nacht dauert – einfach weil es Spass macht, weil Arbeit und Freizeit verschwimmen, weil man in einen Flow kommt.

:: Was ist das Ziel Deiner Master-Arbeit, und wer kann an Deiner Umfrage teilnehmen?

Sam: Ich untersuche die Schnittstellen zwischen Coworking und Tourismus im weitesten Sinne. So werde ich einen Überblick über die verschiedensten Konzepte und Varianten der Kombination Coworking und Tourismus geben. Damit möchte ich das Thema einerseits auf die Agenda der Touristiker setzen, sowie andererseits ins Bewusstsein der Coworker und Coworking Space Betreiber bringen.

In der Online-Befragung geht es darum genauer hinzuschauen, wer diese Konzepte nutzt, weshalb und wie. Coworkation ist ein sehr breiter Begriff, der nicht auf alle Ausprägungen des Phänomens gleich gut zutrifft. Den vielfältigen Unterschieden und Gemeinsamkeiten im Verhalten sowie den Motiven der Coworker gilt es mit der online survey auf den Grund zu gehen.

Insofern ist jeder zur Umfrage eingeladen, der schon einmal Ferien und/oder Reisen mit Arbeit kombiniert und dabei einen Coworking Space oder ein ähnliches Konzept, wie beispielsweise ein temporäres Coworking Camp, genutzt hat. Wichtig ist, dass man sich im spezifischen Teil der Umfrage auf eine konkrete Coworkation Erfahrung bzw. einen bestimmten Coworking Space fokussiert und alle Fragen in Hinblick auf diesen einen Ort beantwortet. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich dort nur einen Tag oder gar drei Monate aufgehalten hat.

coworkation survey key visual

:: Und was geschieht dann mit dem Fragebogen-Rücklauf?

Sam: Mit den Befragungsergebnissen entwerfe ich eine Typologie von ‘Coworkationists’, die existierenden und entstehenden Coworkation Spaces wertvolle Hinweis geben kann, wer ihre Gäste sind und/oder sein könnten, wo es reizvolle Potenziale gibt. Zudem erforsche ich den potenziellen Wert eines Coworking Space für eine touristische Destination – also die Frage, ob ein Coworking Space eine Attraktion darstellen kann und einen Zustrom von neuen ‘Touristen’ in eine Destination bringen kann.

:: Wie kannst Du uns an Deinen Erkenntnissen teilhaben lassen?

Sam: Durch Coworking lerne ich wie oben beschrieben viel an Tools und Techniken hinzu. Daher starte ich gerade zur Begleitung meiner Studien ein Blog auf der Plattform Medium @floWSam. Hier kannst Du mir gerne folgen und sehen, welche Erfahrungen ich in anderen Coworkation Spaces mache, und welche Erkenntnisse die Befragungs-Ergebnisse bereit halten.

:: Vielen Dank, wir wünschen Dir ganz viel Erfolg und sind schon ganz gespannt, wie Menschen ihren Arbeitsplatz kreativ und reisend gestalten. Vielleicht präsentierst Du die Arbeitsergebnisse ja auf der Coworking Europe Conference 2016 :)

Hier geht es zur Umfrage Coworking & Travelling #coworkationsurvey

* Betreuender Professor der Master-Arbeit ist Pietro Beritelli am Institut für Systemisches Management und Public Governance (IMP-HSG) der Universität Sankt Gallen. Seine Forschungsgruppe befasst sich mit betriebs- und volkswirtschaftlichen Fragen in Tourismus und Verkehr.

Mit ☼ im ♥ geschrieben von Doris

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