Perfect Match: Kooperation + Coworking

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Kooperation und Coworking

Lösen Coworking Spaces das Versprechen des kooperativen Arbeitens ein? Wie unterstützen Coworking Hosts das Miteinander in ihrer Community – und welche Ansätze zu weitergehender Unterstützung der Zusammenarbeit in Coworking Spaces gibt es?

Diesen und anderen Fragen geht Viktoria Heinzel (Pepler) in ihren Forschungen am Institut für Creative Industries & Media Society der Hochschule der Medien in Stuttgart nach. Dazu stellte sie vor einem Jahr beim Netzwerktreffen Coworking der German Coworking Federation ihre Master-Thesis vor. Jetzt hat Viktoria ihre Arbeit verteidigt, und klar bin ich neugierig, was sie in punkto Kooperation in Coworking Spaces herausgefunden hat!

Viktoria Pepler / Viktoria Heinzel
Viktoria Heinzel, MA Hochschule der Medien, Stuttgart

Liebe Viktoria, wie lief Dein Master-Kolloquium am 22. Januar?

Viktoria: Es lief super, und ich freute mich über die vielen Fragen aus dem sehr interessierten Publikum. Neben meinen beiden Betreuern Martin Engstler (Hochschule der Medien) und Klaus-Peter Stiefel (Fraunhofer IAO) sowie dem akademischen Publikum der Hochschule der Medien Stuttgart waren auch externe Gäste eingeladen: zum Beispiel Harald Amelung vom coworking0711 in Stuttgart oder Sabine Bleis aus dem Ministerium für ländlichen Raum & Verbraucherschutz. Und ganz klar, die Beurteilung von 1,3 für meine MA-Arbeit machte den Tag perfekt.

Wie hat sich im Zuge Deiner Forschungen Deine Sicht auf das Thema Coworking verändert?

Viktoria: Ich erkenne Coworking immer mehr als das neue Arbeitsmodell für unsere Gesellschaft an. Es erschliessen sich sehr viele Vorteile für einen, insbesondere ist es die Möglichkeit in Freiheit und Unabhängigkeit an eigenen Projekten zu arbeiten und gleichzeitig von einer Gemeinschaft an Gleichgesinnten zu profitieren. Das Innovations-Vermögen in solch einem Setting an interdisziplinären Menschen kann sehr hoch sein, weshalb auch immer mehr Unternehmen Coworking für sich entdecken.

In welchen Coworking Spaces hast Du aktiv gearbeitet – hast Du einen Lieblings-Community?

Viktoria: Ich habe in vielen Coworking Spaces tageweise gearbeitet: Betahaus Berlin & Hamburg, St. Oberholz Berlin, weserwork Bremen, coworking0711 Stuttgart, Basislager Coworking Leipzig, Social Impact Lab Stuttgart, Kreativzentrum Perfekt Futur & C-Hub Mannheim, Wizeman Space Stuttgart. Eine Lieblings-Community habe ich noch nicht. Bisher haben mir alle gut gefallen – vielleicht kristallisiert sich eine in Zukunft heraus.
Zitat Viktoria Pepler Coworking

Du hast untersucht, ob Kreativzentren und Coworking Spaces einen positiven Einfluss auf die Gestaltung und Professionalisierung von Kooperationsarbeit innerhalb der Kreativwirtschaft haben – was hast Du herausgefunden?

Viktoria: Bereits nach einer ersten Auswertungsphase stand fest: Beide Begegnungsstätten verfügen über enormes Potenzial zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Kreativschaffenden. Dazu identifizierte ich jede Menge Rahmenbedingungen, die sich positiv auf die Kooperationsarbeit auswirken können. Diese Faktoren teilte ich grob in drei Überthemen ein:

  • Gemeinschaft
  • Gemeinsamer Austausch
  • Unterstützung von Seiten der Spaces & Zentren (Betreiber.innen)

In einer zweiten Erhebung untersuchte ich entsprechend die Zufriedenheit der Mitglieder bezüglich dieser drei Überthemen. Die erzielten Werte signalisieren tendenziell die Zufriedenheit mit den genannten Punkten: Der Aufenthalt und die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten im Coworking Space oder Kreativzentrum wird von den Mitgliedern positiv wahrgenommen. Mit dieser zweiten Erhebung versuchte ich zu messen, wie wichtig die Serviceleistungen seitens der Betreibenden oder Community Manager für Kooperationen sind.

Dadurch, dass vorgeschlagene Services als Begeisterungsanforderung von den Mitgliedern bewertet wurden, konnte die positive Reaktion auf gebotene Dienstleistungen bestätigt werden. Darüber hinaus wurde deutlich, dass für die Mitglieder je nach ihrem beruflichen Stand entsprechende Anforderungen wichtiger sind als andere, ein Grund mehr für differenzierte Dienstleistungen.

Fazit: Kreativzentren und Coworking Spaces haben einen positiven Einfluss auf die Gestaltung und Professionalisierung der Kooperationsarbeit zwischen Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Wie empfinden denn Coworker die Kooperationen in Coworking Spaces?

Viktoria: Die Coworker erleben Kooperationsarbeit überwiegend positiv. Auf gezielte Nachfrage meinerseits erfuhr ich auch von negativen Erlebnissen, die ich für die Untersuchung von möglichen Verbesserungen nutzte. 

Das sind einige der positiven Erlebnisse in Coworking Spaces in punkto Zusammenarbeit:

  • Offenheit der Nutzer.innen
  • Interesse am Gegenüber
  • Empathie und Verbundenheit miteinander
  • Gemeinsames Arbeitsverständnis
  • Ähnliche Wertevorstellungen
  • Freundschaftliche Beziehung
  • Gemeinsame Engagement für etwas Sinnvolles
  • Bereitschaft zur Hilfestellung

Speziell auf die Kommunikations-Ebene bezogen wirken diese Faktoren positiv auf die Zusammenarbeit:

  • Einfachheit der Kommunikation
  • Regelmäßigkeit der Absprachen
  • Klar definierte Aufgabeneinteilungen
  • Konstruktives Feedback
  • Wertschätzung, Lob, Motivation
  • Lernbereitschaft, Erweiterung eigener Kompetenzen
  • Interdisziplinärer Wissenstransfer
  • Regelmäßiges Netzwerken / Pflege von Kontakten

Kooperation und Coworking

Das klingt alles sehr nach Coworking-„Alltag“ 🙂 Kannst Du aus Deinen Beobachtungen praktische Empfehlungen für Betreiber.innen von Coworking Space ableiten?

Viktoria: Schauen wir uns dazu an, welche Unterstützungen durch Coworking Spaces oder Kreativzentren als positive Einflussfaktoren auf die Zusammenarbeit der Kreativschaffenden genannt wurden:

  • Strukturierung durch gebotene Dienstleistungen
  • Offene und flexible Arbeitskultur
  • Ermöglichte Freiheit und Unabhängigkeit
  • Räumliche Ausgestaltung zur Förderung des Austauschs
  • Regelmäßige Networking-Events
  • Professioneller Rat von Community Manager / Betreiber.in
  • Angebot an Kursen, Coachings und der dadurch ermöglichten Kompetenzsteigerung

Diese Faktoren sind sicherlich vielen Betreiber.innen von Coworking Space bekannt. Darüber hinaus konnte ich weitere, neue Anforderungen herausarbeiten, die künftig für die Community nützlich sein können. All dies mit dem Fokus meiner Arbeit auf die stimmige Auswahl möglicher Kooperationspartner.innen:

Für verbesserte Kommunikation zwischen Kooperationspartnern: ausgewählter Kreis an Community-Mitgliedern mit Mitspracherecht bei der Auswahl von passenden, neuen Mitgliedern für Coworking Space oder Kreativzentrum 

Für Konfliktlösungen: geschulte Ansprechperson für Kommunikations- und Konfliktprobleme bei beruflichen Partnerschaften

Für gesteigerte Effektivität und Harmonie der Zusammenarbeit: Angebot von Kursen zur Steigerung der eigenen Kommunikations- und Konfliktfähigkeit

Für rasches Entdecken möglicher Expertise: (digitale) Plattformen, die bei fachspezifischen Problemen Auskunft über geeignete Ansprechpartner.innen innerhalb der vorhandenen Community geben

Zur Kompetenzerweiterung: Angebote geeigneter externer Expert.innen / Coaches zu fachspezifischen Problemen der Community

Von diesen Dienstleistungs-Optionen möchte ich beiden letztgenannten den Community Managern besonders ans Herz legen, da sie ein auffälliges Interesse bei den Befragten zeigten. Dabei ist für Coworking Spaces oder Kreativzentren wichtig zu beachten, dass ihre Community diese Services je nach Zusammensetzung unterschiedlich bewertet. Zum Beispiel aufgrund des unterschiedlichen beruflichen Status der Coworker:

So stufen Angestellte und Gründer.innen etablierter Unternehmen (älter als 3 Jahre) den Coaching-Bedarf für fachspezifische Betreuung besonders hoch ein.

Insbesondere für Angestellte, Jungunternehmer.innen und Gründer.innen etablierter Unternehmen ist eine Plattform wünschenswert, die fachliche Stärken der Community-Mitglieder darstellt und so eine gezielte Ansprache zur Kooperation ermöglicht.

Und für Freelancern ist eine Ansprechperson besonders hilfreich, die ihnen bei Kommunikations- und Konfliktproblemen innerhalb von Kooperations-Partnerschaften zur Seite steht.

Zitat Viktoria Pepler

Welche Empfehlungen hast Du aus Deinem Forschungsprojekt für Coworker in punkto Kooperation?

Viktoria: Ich habe mich bei meiner Forschungsarbeit auf Empfehlungen für die Betreiber.innen & Community Manager fokussiert und die Ebene der Coworker eher ausgeblendet. Die geschilderten Erlebnissen zeigen jedoch eindeutig wie positiv sich Kooperationsarbeit für die berufliche Entwicklung von Kreativschaffenden auswirken kann. Deshalb wünsche ich Coworkern mehr Mut zur Zusammenarbeit! Und denjenigen, die bereits in Projekten kooperieren, empfehle ich innerhalb ihrer Zusammenarbeit auf eine kontinuierliche und angemessene Kommunikation miteinander zu achten.

Auf der Cowork 2018 in Bremen bist Du im Panel der Podiumsdiskussion „Kreativwirtschaft meets Wirtschaft – gemeinsam für eine Cooperative Economy?“ – was sind Deine Ideen dazu?

Viktoria: Die Aufmerksamkeit auf die Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) als wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland / Europa ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Die KKW gilt als Pionier-Branche und darüber hinaus gilt sie als ‚Modellversuch‘ für neue Arbeitsformen und -modelle, wie beispielsweise dem Coworking. Aufgrund der dominanten Kleinteiligkeit der Marktteilnehmer der Kreativwirtschaft sind Kooperationen für Kreativakteure im Vergleich zu etablierten Klein-/Mittelständischen Unternehmen (KMU) oder Großunternehmen wesentlich bedeutsamer, um wachsen zu können.

Andersherum spiegeln Studien zur Innovationsfähigkeit der KMU die Schwierigkeit dieser bei der Entwicklung von substanziell neuen Innovationen im laufenden Betrieb wider. Hier könnte die Kreativwirtschaft und ihre oft in freien Strukturen arbeitenden Protagonisten wertvolle Impulse auf unterschiedlichen Ebenen setzen. Zum Beispiel im Bereich Arbeitsmethoden, Prozess- und Produktentwicklung, aber auch in der Organisation des Unternehmens. Ein stärkerer Fokus auf cross-sektorale Kooperationen zwischen Mittelstand und Kreativwirtschaft könnte einen Ausweg aus der KMU-Innovationsfalle darstellen und somit von gegenseitigem Wert für die Beteiligten sein.

Weiterführende Links:

Vielen Dank, Viktoria – ich freu mich auf die Podiumsdiskussion der Cowork 2018 in Bremen. Wer mitdiskutieren möchte: Coworking Konferenz & Barcamp Cowork2018

Foto: Viktoria Heinzel • Illustrationen: DoSchu / Rayaworx • Banner Cowork2018: German Coworking Federation e.V.

cowork cowork2018 banner

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erschien zuerst im Blog

rayaworx.eu

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