Coworkation • Rural Area Coworking: Chancen für Kooperation

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Badge Rayaworx cowork2018

Was ist Coworking? Selbst in Städten wie Berlin ist ‚Coworking‘ längst nicht so bekannt wie der Begriff ‚Smartphone‘. Wenn wir jetzt in den ländlichen Raum gehen –Coworking im ländlichen Raum oder Rural Area Coworking– wird es noch finsterer. Die Hosts von Coworking Spaces auf dem Land haben besonders viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Da das ‚Co‘ mehr als eine Bedeutung hat –unter anderem steht es für Collaboration also Zusammenarbeit– haben wir die Cowork 2018, das jährliche Treffen der Coworking Szene in Deutschland, genutzt um zusammen über das Dauerthema ‚Bekanntheitsgrad von Coworking‘ zu diskutieren – und Lösungen zu finden.

Während des traditionellen Barcamp-Samstag der Cowork besprachen wir in 2 Sessions unter anderem folgende Themen:

  • Wie bekomme ich als Coworking Space abseits der grossen Stadt Aufmerksamkeit?
  • Wie erfahren die potenziellen Kund.innen und Coworker von meiner Existenz?
  • Was kann ich als Betreiber.in des ersten Spaces auf einer Alm oder auf einer Hallig tun?
  • Wie können wir das Konzept Coworking allgemein bekannter machen und als potenzielle Lösung für Angestellte präsentieren?
cowork2018 Rayaworx meer Coworking

Das Problem kennen wir hier im Rayaworx nur zu gut, da sich Mallorca und Arbeit noch nicht wirklich in den Köpfen der Menschen zu kompatiblen Begriffen vereinigt haben. Deshalb habe ich eine der beiden Sessions angeregt: Wie können die verschiedenen Coworking Spaces zusammen arbeiten, um mehr Aufmerksamkeit für das rurale Coworking zu generieren? Denn das Hauptproblem der meisten Spaces fernab der Städte ist: Aufmerksamkeit – wie erfährt die Welt von deren Existenz?

Recht schnell haben sich hier 2 Themenbereiche ergeben, die für ländliche Coworking Spaces sehr interessant sind:

  • Coworkation – Retreats – Offsite Workshops – der zeitlich begrenzte Aufenthalt in einer vielleicht unbekannten Region mit einem Hauptfokus auf Arbeit. Die Ziele reichen durchaus unterschiedlich von der Flucht aus der Hektik des Alltags, um in Ruhe ein Projekt zu beenden bis zur familiengeeigneten Kombination aus Urlaub und Arbeit
  • Coworking Spaces als Alternative zum Home Office und dem Schreibtisch in der Firma – Stichworte: Fachkräftemangel, Albtraum Pendeln, Arbeit und Familie verbinden

Schauen wir uns mal an, was wir zusammen herausarbeiteten, wie wir die verschiedenen Spaces bekannter machen können.

Coworkation

Coworkation ist das Kunstwort für die Verknüpfung von Coworking mit Vacation. Raus aus der Hektik des Alltags und den dauernden Störungen im täglichen Bürodasein – es gibt eine Menge Gründe mal über einen temporären Wechsel des Arbeitsortes nachzudenken. Offsite Meetings sind ein seit Jahrzehnten beliebtes Mittel dafür. Neben dem klassischen Konferenzhotel mit den immer gleichen sterilen Meeting-Räumen bieten nun Coworking Spaces oder Coworking Camps noch viel anregendere Möglichkeiten für verschiedene Zielsetzungen:

  • Ein Projekt in Ruhe fertig stellen
  • Neue Inspiration bekommen
  • Mit Kolleg.innen ungestört an einem Thema arbeiten
  • Urlaub mit der Familie und Arbeit kombinieren
  • Ein neues Business starten
  • Interessante neue Kontakte knüpfen

Von der Nordseeküste über die bayerischen Voralpen, weiter in den Süden nach Italien, Spanien, Griechenland oder Bulgarien bis nach Südostasien mit Destinationen wie Bali oder Thailand – es gibt vielfältige Möglichkeiten für eine Coworkation. Ja sogar auf einem Segelboot im Mittelmeer lässt sich prächtig vernetzend arbeiten siehe Doris‘ Interview mit Gerald Schömbs / Coboat hier im Blog.

Nur: Wie erfahre ich als Coworker oder gar als Noch-Nicht-Coworker davon? In den meisten Fällen wissen die Coworking Spaces in den Städten ein bisschen was oder haben schon mal davon gehört. Hier ist eine bessere Info oder gar Zusammenarbeit von Spaces in derselben Grossregion z.B. Berlin und Brandenburg wünschenswert.

Jede Region hat ihre Spezialitäten, ebenso die Veranstalter von Coworkation Camps und die Coworking Spaces selbst. Wie schön wäre es, wenn ich meinen Coworking Host in meinem Stammspace nach einer solchen Möglichkeit fragen könnte – und eine Antwort bekäme. Vielleicht erfahre ich dann auch was über Coliving – ein Konzept, bei dem sich Coworker bewusst in den Alltag in der ungewohnten Umgebung begeben. Regelmässige Community-Treffen zu diesen Themen in den Spaces der Grossstädte sind eine gute Möglichkeit die Information zu streuen.

Neben den Coworking Hosts und Community-Treffen ist die Nutzung von sozialen Netzen eine weitere Möglichkeit, die funktioniert ebenso wie, zu einem gewissen Grad, Influencer Marketing. Damit meine ich Workshops mit bekannten Coaches oder PodcasterInnen oder FotografInnen, oder, oder, oder. Die Präsenz und Anziehungskraft dieser Personen kann sehr hilfreich sein um Bekanntheit zu erreichen. Weniger gut funktionieren nach den Erfahrungen einiger Google AdWords oder Facebook Ads, da sich die relevante Zielgruppe meist nicht so richtig (geografisch) eingrenzen lässt.

Flipchart Barcamp Session Rural Area Coworking - Coworkation
Flipchart Session Rural Area Coworking & Coworkation

Ein paar Spaces der grösseren Städte arbeiten schon mit ländlichen ‚Aussenstellen‘ zusammen und bieten zum Teil Pakete an, bei denen ich mal in der Stadt und mal auf dem Land arbeiten kann. Beispiele dazu sind Mutinerie in Paris mit Mutinerie Village als Enklave auf dem Land. Im Raum Stuttgart gibt es mit Coworking 0711 an den Standorten Stuttgart-West und Herrenberg ein Beispiel in Deutschland wie Stadt und Land zusammenarbeiten können.

Wenn es auch noch regionale Spezialitäten gibt wie beispielsweise coole Mountainbike-Strecken, geniale Surfwellen, super Wanderrouten, leckeres Essen, Sehenswürdigkeiten, perfekte Ruhe und und und, kann ich hier auch Anreize schaffen und das über entsprechende Kanäle (Biking Zeitschrift, Wanderblog, etc.) bekannt machen. Ich denke da an das klassische Stau-Dilemma der Skifahrer.innen: Stau bei der Anfahrt am Wochenende, auf der Piste, an der Hütte, bei der Fahrt nach Hause.

Wenn ich nun die ganze Woche vor Ort sein könnte, fiele das Thema Verkehrsstau weg. Voraussetzung: ich kann dort arbeiten – im Coworking Space. Entspannung für alle und die beruflichen Aufgaben werden auch erledigt. Oder das Beispiel für die Sonnen-Fans: Strand & Erholung nach getaner Arbeit, Seele baumeln lassen, den Wellen zuschauen und neue Inspiration tanken. Wer’s sportlich mag, springt in die Fluten und schwimmt eine Runde oder paddelt mit dem SUP. Dann noch lecker essen im Restaurant oder gleich im Chiringuito, der temporäre Strandbar in Spanien, weil der Sonnenuntergang so schön ist. Tipps für die schönsten Chiringuitos bekomme ich im lokalen Coworking Space.

Collaboration ist einer der Coworking-Grundwerte und als etablierter Grossstadt-Space kann ich dem Land-Space unter die Arme greifen und meinen Coworkern eine oftmals gesuchte Auszeit vom Stadtgewusel anbieten. Das ist ein guter Weg, endlich mit der Kooperation mit anderen Coworking Spaces zu beginnen – hier kann nun wirklich nicht von Wettbewerb die Rede sein, hier geht es um einen Mehrwert für die (eigene) Coworking Community.

Coworking Mallorca Rayaworx Wallpaper Preview

Firmen, Angestellte, Freizeit und Coworking

Neben den gelegentlichen Ausflügen gibt es ja noch den Teil der Bevölkerung, der im Ländlichen zu Hause ist. Dort steht eher eine Alternative zum täglichen Weg in die Grossstadt zur Arbeit im Vordergrund – Hashtag #Verkehr #Langeweile #verlorene Lebenszeit. In einer Praxisstudie in Frankreich kam heraus, dass die Angestellten sehr viel zufriedener waren, wenn sie nicht jeden Tag pendeln müssen, sondern in Coworking Spaces in der Nähe ihres Wohnorts arbeiten konnten. Ein Coworking Space unweit des Bahnhofes, den viele Pendler.innen benutzen, kann deutliche Entspannung in den Alltag bringen. Wenn aber der Space jedoch weiter entfernt vom Bahnhofes gelegen ist, so dass Pendler.innen kaum daran vorbeilaufen: Wie mache ich das Konzept und die Möglichkeit dann bekannt?

Nun, viele Unternehmen selber haben Coworking in der Stadt schon entdeckt. Oft als Möglichkeit günstig Meeting-Räume zu buchen, wenn es in der Firma selbst nichts mehr freies gibt. Ebenso auch für Projektgruppen, die ungestört arbeiten wollen, und auch als Pufferzone für neue Mitarbeiter.innen bis es wieder Büroräume gibt.

Das ist aber noch nichts alles. Wie oft gibt es Offsite-Meetings in Firmen um einen frischen Wind durch’s Oberstübchen wehen zu lassen? Na immer dann, wenn Flaute im Kreativozean herrscht. Diese setzt sich dann auch gerne im Tagungsort fort – wer kennt sie nicht, die steril eingerichteten Tagungszimmer der Hotels? Gerne fensterlos, mit dem ultralauten Beamer und einem WLAN, das zwar irgendwie da, aber scheint’s noch per Mailboxnetz und Analogmodem ans Internet angeschlossen ist.

Wie wäre es statt dessen mit einem top-ausgestatteten Coworking Space in inspirierender Lage? Klingt verlockend, nicht wahr? Hier bietet sich eine weitere Chance der Kooperation der Stadt-Spaces mit dem Land. Denn Firmen kennen die Spaces in ihrer Umgebung in der Stadt zum Teil schon und nutzen diese.

Hier kann ich als Coworking Host oder Community Manager einhaken. Beispielsweise wenn es diesen herrlichen Makerspace in der Eifel gibt (Beispiel willkürlich gewählt) und die Firma neue Designs ausprobieren will … dann kann ich die ja mal auf’s Land zum Basteln schicken. 3D-Drucker etc. stünden bereit und durch die ländliche Umgebung kommt vielleicht noch eine oder andere Prise Inspiration dazu. Oder auch nach Mallorca – Mittelmeer-Küche geniessen, Sonne tanken, Gedanken freien Lauf lassen, Ideen finden. Die Kosten sind in den meisten Fällen gleich hoch, Anreise und Übernachtung brauche ich eigentlich immer. Hier ist die Community und die Vernetzung der Spaces untereinander der Schlüssel.

Kooperation und Weiterführung der Diskussion

Rural Area Coworking
Rural Area Coworking Barcamp http://bighub.eu/rural-coworking-barcamp/

Als Quintessenz kamen wir überein, dass eine Kooperation zwischen den verschiedenen Spaces unbedingt notwendig ist, um auch dem ländlichen Raum die Aufmerksamkeit zu geben, die benötigt wird. In einer zweiten Session mit dem Titel Coworking auf dem Lande (kurzer Bericht von Hannes vom Denkerhaus am Ammersee) ging es dann auch um konkrete Initiativen um rurales Coworking in den ländlichen Regionen bekannter zu machen. In beiden Sessions spürte ich die Begeisterung der Teilnehmenden, dieses Thema weiter zu treiben.

Gelegenheit dazu gibt es am
15. Juni 2018
BIGHub Barcamp ‚Rural Area Coworking‘ am Ammersee

– und selbstverständlich in einem ländlichen Coworking Space Deiner Wahl.

Ich erlebte in den Cowork-Sessions eine spannende Diskussion, bei der wir uns einig darüber waren, dass Coworking ein belebendes Element im ländlichen Raum ist. Es braucht dazu noch viel Kommunikationsarbeit, die zwar regional unterschiedlich ist, aber immer von der Gemeinschaft geleistet werden muss. Vernetzung ist der Schlüssel und Austausch das Mittel wie wir das Konzept erfolgreich auf dem Land etablieren.

Screenshot CoWorkland Website
Screenshot https://www.boell-sh-digital.de/coworkland/

Die Sessions haben bei allen Beteiligten auf jeden Fall einen Funken gezündet, und ich erwarte hier im zweiten Halbjahr 2018 noch mehr Aktionen und Erkenntnisse. Zum Beispiel aus dem Projekt CoWorkLand, dass in einer der Sessions über Coworking auf dem Land vorgestellt wurde. CoWorkLand erforscht die Bedingungen, unter denen neues Arbeiten in innovativen gemeinsamen Arbeitsräumen auf dem Land funktionieren kann. Genau das werden „mobile PopUp-CoWorking-Spaces“ an interessanten Orten wie Stränden, Dorfkernen oder Gutshöfen testen.

Links zur Vertiefung auf einen Blick:

Foto / Screenshots: Doris & Rainer Schuppe / rayaworx.eu

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Coworkation • Rural Area Coworking: Chancen für Kooperation

erschien zuerst im Blog

rayaworx.eu

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Doris & Rainer Rayaworx Mallorca
(Foto: Simone Naumann)

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