Bridge!t für mehr Gründerinnen

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Titel DoSchu Bridge!t Interview

Maike Pastunink führte für Bridge!t das englischsprachige Interview mit mir. Dies ist die deutsche Übersetzung; for the English version of this interview visit oth-regensburg.de — Bridgeit-interviews

Mehr Gründerinnen wünscht sich die Studierendengruppe Bridge!t – und will dafür aktiv etwas tun. Wie kann das Mindset von Selbständigen auf ihre KommilitonInnen übertragen werden? Eine Aktivität der interkulturellen Gruppe dazu sind Veranstaltungen für Begegnungen mit UnternehmerInnen an der Regensburger Hochschule. Als weitere Facette führen die Studierenden Interviews, damit inspirierende Funken aus den verschiedensten beruflichen Biographien überspringen mögen. Zu einem dieser Interviews wurde ich eingeladen.

Bridge!t Interview Mission

„We wanted to highlight certain entrepreneurs for the students. Not the famous ‚big ones‘ like Steve Jobs and Elon Musk, but the entrepreneurs among us – in our hometown or even our university. Especially female entrepreneurs and students with their own businesses are often invisible and underrepresented in our society.“
Bridge!t Website*


 

„Netzwerken ist ein Geben und Nehmen – sei Teil davon, selbst wenn du das Gefühl hast, dass du nichts beitragen kannst.“

Maike / Bridge!t: Wie würdest du COWOXU Mallorca, S.L und deine Rolle in dem Unternehmen beschreiben?

Doris (DoSchu) / Rayaworx: Im September 2014 gründete ich gemeinsam mit meinem Mann Rainer die COWOXU Mallorca, S.L. in Spanien. Das inhabergeführte Unternehmen hat seinen Sitz in Santanyí, einer kleinen Stadt im Südosten Mallorcas. COWOXU Mallorca bietet IT-Dienstleistungen und Beratung sowie Seminare und Schulungen zu den Themen Computer, Software, Internet und Social Media. Im Mai 2015 startete unser Unternehmen unter der Eigenmarke Rayaworx einen Boutique Coworking Space. Als einer der Gründer bin ich für Marketing und Kommunikation verantwortlich; ich bin der Community Manager bei Rayaworx.

Bridge!t: Wie kamst du auf die Idee COWOXU Mallorca zu gründen?

DoSchu: Zuvor war ich in München tätig und Teilzeit-Coworker in der ersten Münchner Coworking Community combinat56. Als wir unseren Urlaub auf Mallorca verbrachten, brauchte ich für ein dringendes Projekt eine funktionierende Internet-Verbindung. Aber die Hotelanbindung war zu unzuverlässig, um die Arbeit in kurzer Zeit zu erledigen.

Nun, ich habe nach einem Coworking Space auf Mallorca gesucht und einige in Palma gefunden – nichts außerhalb oder in der Peripherie der Stadt. Also dachte ich, warum nicht Coworking in diese Gegend bringen und eine Coworking Community für Einheimische und Reisende gründen? Weißt du, in München mussten unsere Motorräder wegen der eisigen Winter einige Monate in der Garage bleiben. Auf Mallorca können wir unsere Bikes deutlich länger fahren.

Networking DoSchu Bridge!t Interview

Bridge!t: Was findest du am Interessantesten an deinem Job?

DoSchu: Die Vielfalt. Jeder Tag ist anders, denn oft wechseln die Menschen, die mit uns zusammenarbeiten, von Woche zu Woche. Ich liebe es, neue Leute kennenzulernen, und es erfüllt mich mit Freude, wenn wir einen angenehmen Platz an der Glasfaser-Leitung und in unserer Coworking Community bieten können.

Bridige!t: Was oder wer inspirierte dich den Schritt in die Selbständigkeit zu gehen?

DoSchu: Meine ehemalige Chefin bei CompuServe. Sie arbeitete ihr ganzes Leben lang als Angestellte und viele Jahre in leitenden Positionen. Als sie anfing, selbständig zu arbeiten, hatte ich die Gelegenheit, dies hautnah mitzuerleben. Wir haben viel über die Veränderungen und Unsicherheiten gesprochen, vor allem aber über die vielen Freiheiten, die die Selbständigkeit mit sich bringt. Und so war ich vorbereitet, als sich die Möglichkeit zur beruflichen Autonomie ergab.

Bridge!t: War es schon immer dein Traum dein eigenes Unternehmen zu haben? Wenn nicht, was war dein eigentlicher Plan für deine berufliche Zukunft?

DoSchu: Ich war immer dort, wo Internet und Online-Geschäft eine wichtige Rolle zu spielen begannen. Das war mein Karriere-Navigator. Ich habe Naturwissenschaften studiert, und die möglichen Berufe nach dem Studium waren damals sehr unscharf aufgrund vielfältiger Veränderungen. Deshalb war ich mehr oder weniger offen für alle Varianten, ob Selbständigkeit oder Anstellung.

Bridge!t: Was sind deine persönlichen Stärken und wie haben sie dir auf deinem beruflichen Weg geholfen?

DoSchu: Ich kann mich gut in die Lage anderer Menschen versetzen und damit ihnen helfen, aus dem bunten Blumenstrauß der digitalen Kommunikations-Möglichkeiten auszuwählen, was ihre Ziele am besten unterstützt. Die Entdeckung neuer Entwicklungen in der digitalen Welt ging immer Hand in Hand mit der Weitergabe dieses Wissens an Menschen um mich herum. Daher haben viele Menschen mitbekommen, was ich tun kann, und einige haben mir im Laufe meiner Karriere entsprechende Optionen angeboten.

Bridge!t: Welche Vorteile hat es selbständig zu sein?

DoSchu: Da ich lange Zeit beschäftigt war, kann ich es sehr genau sagen: Die Freiheit, meinen Arbeitstag nach Bedarf aufzuteilen. Auf der einen Seite bin ich kein Morgenmensch, und auf der anderen Seite ist es für meine Produktivität enorm förderlich, Pausen einzulegen. Dies ist (noch) schwer mit vielen Arbeitszeitanforderungen in Unternehmen zu vereinbaren. Inzwischen lebe ich seit fast fünf Jahren in Spanien. Hier ist es normal, wegen der Hitze im Sommer tagsüber eine längere Siesta zu haben – ich liebe es. Übrigens, wenn Du eine Familie hast, wirst Du die wunderbare Nebenwirkung des gemeinsamen Mittagessens geniessen.
Netzwerken DoSchu Bridge!t Interview

Bridge!t: Gibt es Fehler, die du gemacht hast, aus denen andere Menschen lernen könnten, die auch ihr eigenes Unternehmen gründen möchten?

DoSchu: Ich lernte viel aus dem Start meiner ersten Selbständigkeit. Die trat ich zusammen mit einer Person an, die ganz andere Erwartungen und Werte an ein Team hat. Damals fühlte ich mich wenig vorbereitet auf die neue Situation der Selbständigkeit, es wirkte weniger unsicher und behaglicher diesen Schritt in einer Kooperation zu tun. Obwohl ich für mich spürte, dass es nicht passte. Die Selbständigkeit brachte mir bei, auf solche kleine Signale zu achten. Denn am Ende liegt es an mir, und nur an mir, mich von ungünstigen Situationen zu befreien. Meine Empfehlung ist es, die Selbständigkeit allein anzugehen oder die Team-Interaktion gründlich auszuprobieren, bevor es ernst wird. Heute weiß ich, dass ich um hilfsbereite Menschen bitten und sie finden kann, die mir helfen, in neue Herausforderungen hineinzuwachsen – besonders seit ich in Coworking Communities arbeite. Dort werden die Ängste vor einer Solo-Selbständigkeit genommen.

Bridge!t: Welche Herausforderungen bestehen in der Gründung als Paar?

DoSchu: Ich komme da nochmal auf meine Empfehlung zur Gründung als Team zurück: Als Paar haben wir bereits viel Erfahrung in der Teamarbeit gesammelt und wissen daher, wo neue Herausforderungen auf uns zukommen können. Für Gründer-Ehepaare ist es wichtig, von den beruflichen Aufgaben und Anforderungen abschalten zu können. Klar ist es schon wahnsinnig hilfreich, auch spontan eine Lösung für eine Problemstellung in der Firma diskutieren zu können. Ich denke, es ist sehr gesund, dass wir miteinander oder mit anderen Menschen über viele andere Themen in unserer Privatzeit sprechen und nicht nur über das Geschäftliche.

Brideg!t: Macht es einen Unterschied Unternehmerin in Mallorca, anstatt in Deutschland, zu sein?

DoSchu: Nun, hier bin ich eine zugezogene Ausländerin, und zumindest am Anfang konnte ich nicht auf langjährige Bekannte zurückgreifen, die uns mit ihrem Wissen helfen konnten. Zu vielen Themen mussten wir unser Netzwerk neu aufbauen, damit wir valide Aussagen erhalten konnten. Eine große Hilfe in Spanien ist die so genannte ‚Gestoria‘, die viele offizielle Geschäftsanforderungen übernimmt. Gut angelegtes Geld, wenn es sich um eine gut funktionierende Gestoria handelt. Bei der Auswahl passender Dienstleisters sind Empfehlungen auf der Insel sehr wichtig. Auf Mallorca spielen Tourismus und saisonales Geschäft eine wichtige Rolle – vor allem außerhalb Palmas. Unser Umfeld verändert sich hier häufiger als in München, wo wir früher lebten. So geben auch Kooperationspartner ihre Aktivitäten von einem Jahr auf das andere ohne grosse Vorankündigung auf. Hier ist es sehr wichtig, flexibel zu sein.

Bridge!t: Was sind deine Pläne für COWOXU Mallorca, S.L in der Zukunft?

DoSchu: Wir sind mit drei Missionen nach Mallorca aufgebrochen.

  • Mission Nummer 1: Wir schaffen einen Ort, an dem es schön ist zu arbeiten und zu entspannen, so dass auch Solopreneure Urlaub machen können. Für einen nachhaltigeren Tourismus, da die Reisenden über einen längeren Zeitraum in die fremde Umwelt und Kultur eintauchen. Diese Mission ist fast abgeschlossen.
  • Mission Nummer 2: Wir zeigen, dass ländliche Gebiete eine hohe Lebensqualität aufweisen und mit den heutigen digitalen Technologien für viele wunderbare Orte zum Leben und Arbeiten sein können. Diese Mission ist noch am Werk.
  • Mission Nummer 3: Wir bringen vor Ort neue digitale Karrierestrategien in die Köpfe von Eltern, Lehrkräften und jungen Menschen. Auch diese Mission ist noch im Gange.

Du siehst, wir haben noch einiges zu tun!

Bridge!t: Gibt es etwas, was du zukünftigen Gründerinnen und Gründern auf dem Weg mitgeben möchtest?

DoSchu: Do it! Knüpfe neue Verbindungen im voraus, beispielsweise in einer Coworking Community in Deiner Nähe. Nehme an deren Veranstaltungen teil. Schliesse Dich Verbänden an wie zum Beispiel Digital Media Women, webgrrls oder – wenn Du wie ich im Ausland als Expat gründen willst – InterNations an und besuche deren Networking-Events. Und ich sage nicht, gehe dorthin und sammle Visitenkarten ein, sondern sei dort um echte Kontakte zu Menschen zu knüpfen. Ich selbst habe von den genannten Vereinigungen profitiert und tue das nach wie vor. Netzwerken ist ein Geben und Nehmen – sei Teil davon, selbst wenn Du das Gefühl hast, dass du nichts beitragen kannst. Denn Du kannst es: Mit frischen Ideen, unvoreingenommenen Meinungen oder Wissen über neue digitale Tools.

Do it! Zitat DoSchu Bridge!t Interview

* Links zur Vertiefung

Der Beitrag:

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erschien zuerst im Blog

rayaworx.eu

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(de) Hier bloggen Doris (DoSchu) & Rainer über Coworking, Coworkation, „work anywhere“ sowie aus dem Coworking Space Rayaworx in Santanyí
(en) Doris (DoSchu) & Rainer blog about coworking, coworkation, work anywhere, and news from the coworking space Rayaworx Mallorca

Doris & Rainer Rayaworx Mallorca
(Foto: Simone Naumann)

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